18 Monate auf Bewährung

July 18, 2019

Die Mittel- und Oberstufen-Theater-AG führte am 15./16./17.07. ihre Eigenproduktion „18 Monate auf Bewährung“ – ein Stück über Referendarinnen – auf der heimischen EG-Bühne auf, nachdem bereits im April einige Szenen am Nationaltheater in Mannheim im Rahmen des Festivals „Play“ vorgestellt worden waren und im Mai die eigentliche Premiere im Sandkorntheater stattfand.

 

Das Stück ist aus Improvisationen heraus entstanden und skizziert die 18 Monate eines Referendariats mit allen Hochs und Tiefs, die eine Referendarin in dieser Zeit erleben muss. So werden klassische Etappen und Szenen herausgegriffen und in meist satirisch-überhöhter Form dargestellt.

 

Es beginnt mit einem grotesken Eid, in dem sich die zukünftigen Lehrer*innen einschwören auf ihr pädagogisches Ethos und unter anderem bekräftigen, dass sie alle Schüler*innen fördern werden, seien es „Hyperaktive, Lese-Rechtschreib-Schwache, psychosozial Deformierte, gewaltbereite Kleinkriminelle, bildungsunwillige Vollpfosten“ etc. 

 

 

 

 

 

 

 

Im nachfolgenden Bild wird „das erste Mal“ vorgeführt, wenn nämlich der Referendar das erste

 

Mal vor seine Klasse tritt und damit seinen Ruf und die zukünftige Atmosphäre unweigerlich festlegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klassische Lehrersprüche hageln danach auf das Publikum ein. Jeder aus dem Publikum wird sich erinnern an Sätze wie „Mach sofort den Kaugummi ´raus!“, „Aufstuhlen nicht vergessen!“, „Ein bisschen mehr Beteiligung, meine Lieben!“, „Runter vom Mattenwagen!“ oder „Der Lehrer beendet den Unterricht!“

 

In einer durchaus ernsten Szene werden die unterschiedlichen Motive, diesen Beruf zu ergreifen, dargestellt. Eine findet ihre Berufung in der Vergangenheit, als sie einer Nachbarin Nachhilfe gegeben hat, die andere brennt für ihr Fach und die nächste sieht diesen Beruf als günstige Gelegenheit, gutes Geld zu verdienen.

 

 

 

Die Wahrnehmung des Unterrichts ist jedoch sehr unterschiedlich. In der fünften Szene wird dies in einer Slow-Motion-Unterrichtssequenz ebenso vorgeführt wie in einem Schnelldurchlauf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Kumpellehrer wird als ein Mythos entlarvt. So täuscht Herr Commercon an, er sei auf seitens der Schüler, um in einer plötzlichen Wendung klar zu machen, wie respektlos heutzutage Schüler doch seien. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im naturwissenschaftlichen Unterricht gibt es Strebeklassen, deren Lehrerin stolz ist, dass sie sich die Schüler so „gut gezogen“ hat, aber gleichzeitig erleben muss, wie alles theoretische Wissen doch verpufft angesichts eines Anfalls einer Mitschülerin. Während die Mitschülerin beinahe zu ersticken droht, diskutieren die Nachwuchswissenschaftlerinnen die Symptome dieses Anfalls, ohne wirklich etwas zu tun.

 

 

Vor der Pause erlebt man noch, wie man mit schwierigen Klassen umgeht. Sogar sechste Klassen können einem schon das Leben schwer machen. Die Botschaft am Ende lautet sehr klar: Authentizität.

 

 

 

 

 

 

Nach der Pause ist die Szene inspiriert von einem ehemaligen Lehrer, der seine Erfahrungen als junger attraktiver Lehrer in einem bekannten Song kultiviert hat. Zu Stings „Don´t stand so close to me“ inszenieren sich die Darstellerinnen als eine frühreife neunte Klasse, die hemmungslos mit dem jungen attraktiven Kunstlehrer flirtet.

 

 

 

 

 

Die private Seite erscheint als Deformation professionelle, denn selbst ein Date wird so geplant wie eine Lehrprobe. Erst muss das ständig begleitende Alter Ego gefesselt und geknebelt werden, um sich ganz der Liebe hingeben zu können.

 

Im Seminar gibt man vor, unter seinesgleichen zu sein und sich ganz offen zu begegnen. Wie ehrlich diese Gespräche sind, wird durch die Technik von Text und dazugespieltem Subtext deutlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

Spannungshöhepunkt eines jeden Referendariats sind die Lehrproben. Diese Extrembelastung wird an der Geschichtsreferendarin Frau Holter vorgeführt, die bis in die späte Nacht hinein ihre Lehrprobe vorbereitet.

 

Das Stück endet mit einer Futur-II-Vision, in der jede einzelne Referendarin erzählt, wie ihre Karriere weitergegangen sein wird. Mit satirischer Schärfe endet das Stück in einer Chor-Passage: „Bestens gebildet, höchstqualifiziert, der Pädagogik heiligste Werte verehrend, stehen wir hier, am Ende, chancenlos glücklich, die Zukunft des Landes, in Warteschleifen verbannt. Oh weh!“

 

Gewidmet ist diese Produktion den beiden Referendarinnen, die die Theater-AG die letzen drei Jahre begleitet und unterstützt haben: Laura D`Aguiar und Romy Rathenow.

 

Freddy Schmieder hat bei dieser Produktion Michael Polty bei der Regiearbeit unterstützt.

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