„Ich, Feuerbach“ von Tankred Dorst

July 2, 2018

 

Was braucht es mehr als zwei Stühle und eine Flasche Wasser als Bühnenbild, wenn allein durch das großartige schauspielerische Können 90 Minuten wie im Fluge vergehen und man sich nicht sattsehen kann an den Gefühlsausbrüchen, Neurosen und Visionen eines Feuerbachs (Frederik Schmieder)?

Michael Polty hat Tankred Dorsts Stück „Ich, Feuerbach“ seiner Oberstufen-Theater-AG auf den Leib geschrieben und den psychischen Zustand des gescheiterten Schauspielers Feuerbach mit zehn Darstellern auf die Bühne gebracht. Publikumsliebling war ganz klar die italienisch sprechende Putzfrau: Während Feuerbach nach jahrelanger Pause auf sein Vorsprechen bei dem berühmten Regisseur Lettau wartet, erkennt sie in ihm, um ihn herum wischend, Doktor Schnabel aus einer Arztserie und kann sich kaum halten vor Glück.

Trotz des mit literarischen und philosophischen Andeutungen und Zitaten (z.B. Sartre, Racine, Tschechov, Feuerbach) gespickten Textes konnten sich durch Situationskomik und Übertreibungen auch jüngere Zuschauer für das Stück begeistern. Hier muss unbedingt der Requisiteur Dieter Buttgereit erwähnt werden, der zwar nur zweimal kurz die Bühne betritt, in diesen Phasen aber schauspielerisch die Entdeckung des Abends war. Zu verstörenden Situationen kommt es immer wieder, wenn Feuerbach im Gespräch mit der Regieassistentin (Zoe Grumm) beispielsweise seine Zeit in der Klinik oder bei der Berufsberatung durchlebt. Dies alles wurde meisterhaft dargeboten von Frederik Schmieder.

Einwandfreie Licht- und Tontechnik und nicht zuletzt kleine Snacks in der Pause rundeten das abendliche Theatererlebnis in der Aula des Eichendorff-Gymnasiums ab.

 

 

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