Das Realgymnasium in der Pforzheimer Straße:
Auszug aus der Festschrift (Dez.2007)
Das Realgymnasium in der Pforzheimer Straße Links der Altbau, vorne rechts der damalige Neubau, im Vordergrund die Kastanienallee der Pforzheimer Straße (Stadtarchiv)
StD a.D. Ernst Rautschka
Das Realgymnasium in der Pforzheimer Straße
Ein ehemaliger Lehrer berichtet aus seiner Zeit in der Schule, in die die EGSchüler früher (bis 1957) gingen.
Im Januar 1953 wurde ich als Referendar dem Realgymnasium in Ettlingen zugeteilt. Die Schule befand sich in der Pforzheimer Straße 14 gegenüber der Herz-Jesu-Kirche. Der Schulgebäudekomplex bestand aus zwei getrennten Häusern (Abb.), dem 1901 erbauten Neubau und dem wesentlich älteren Altbau. Davor der Schulhof und der Schulvorplatz. Das „Realgymnasium mit neusprachlich und mathematisch- naturwissenschaftlichen Zügen“ war damals die einzige höhere Lehranstalt in Ettlingen und für das ganze weiträumige Albtalgebiet.
Selbst aus Karlsruhe- Rüppurr kamen etliche Kinder nach Ettlingen zum Unterricht, ebenso aus der Zone bis Malsch. Der Altbau beherbergte in früherer Zeit ein Lehrerseminar. Ein Teil der Ettlinger bezeichnete daher noch lange das Gymnasium auch als „Realschule“ oder „Seminar“. Im Frühjahr 1953 wurden die 450 Knaben und 278 Mädchen von nur 33 Lehrkräften unterrichtet, davon nur 6 Frauen. Da es damals nur volle Deputate (25/26 Wochenstunden) für Gymnasiallehrer gab, schieden bei Verheiratung Lehrerinnen ganz aus dem Schuldienst. Es führte zur Dominanz der Lehrer in den Kollegien. Eine Unterrichtsstunde betrug 50 Minuten; Samstag war Schultag.
Selbst aus Karlsruhe- Rüppurr kamen etliche Kinder nach Ettlingen zum Unterricht, ebenso aus der Zone bis Malsch. Der Altbau beherbergte in früherer Zeit ein Lehrerseminar. Ein Teil der Ettlinger bezeichnete daher noch lange das Gymnasium auch als „Realschule“ oder „Seminar“. Im Frühjahr 1953 wurden die 450 Knaben und 278 Mädchen von nur 33 Lehrkräften unterrichtet, davon nur 6 Frauen. Da es damals nur volle Deputate (25/26 Wochenstunden) für Gymnasiallehrer gab, schieden bei Verheiratung Lehrerinnen ganz aus dem Schuldienst. Es führte zur Dominanz der Lehrer in den Kollegien. Eine Unterrichtsstunde betrug 50 Minuten; Samstag war Schultag. Entscheidungen der Schule wurden respektiert. Auf Einhaltung der Schulordnung wurde geachtet. Für alle Schüler bestand Rauchverbot auf dem Schulgelände. Bei wiederholtem Fehlverhalten eines Schülers erfolgte ein Eintrag im Klassenbuch für seine Betragensnote im Zeugnis. Für den Schüler von damals war die Schule Mittelpunkt seines Alltags. Auf den Jugendlichen wirkte noch keine Vielfalt außerschulischer Medien ein. Lehrer und Schüler kamen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder der damaligen Dampfalbtallokalbahn, allseits „Bähnle“ genannt, zum Unterricht. Ein Autoparkplatz für Lehrer war nicht nötig. Als Pausenaufenthalt dienten Schulhof und Schulvorplatz (heute Parkplätze). Die dazwischen liegende 1951 errichtete viel diskutierte Grenzmauer nannten die Schüler „Klagemauer“ (fehlt im Bild).
Das Chemiezimmer war baulich besonders betroffen. Rohe Holzpfosten inmitten des Raumes als Deckenstütze behinderten die Sicht zwischen Lehrer und Schülern. Die Kinder saßen auf alten knarrenden Sitzbänken aus Holz mit öfters herausragenden Nägeln. Ätzende Dämpfe von Versuchen wurden mittels Durchzug (Öffnung Tür- Fenster) entfernt. Durch Trockenfäulnis und Holzwurm im Gebälk mussten auch in anderen Räumen zur Gewährleistung der Tragfähigkeit, auf baupolizeiliche Anordnung, Decken abgestützt werden. Stadt und Bezirksbauamt, Unterrichtsverwaltung und Schulleitung anerkannten den schlechten baulichen Zustand. Schon 1955 begann man mit der Planung eines Schulneubaus. Im Dezember 1957 erfolgte der Umzug in den Neubau Goethestraße 2-10. Mit Wehmut verließen Lehrer und Schüler das alte vertraute Gemäuer, allseits liebevoll „Bruchbude“ genannt. Herrschte hier doch trotz grauer Mauern und morscher Böden stets ein reges Schulleben.

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