Der Namensgeber unserer Schule:
Auszug aus der Festschrift (Dez.2007)

Joseph Karl Benedict
Freiherr von Eichendorff (1788-1854)
Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
Susanne Gerstenkorn-Petrus
Der Namensgeber unserer Schule


Wie kam das Eichendorff-Gymnasium in Ettlingenüberhaupt zu seinem Namen? Vielen jetzigen, aber auch ehemaligen „Eichendörfflern“ dürfte dies noch nicht oder nur vage bekannt sein. Versuchen wir also eine Chronologie der Namensfindung. Als es im Oktober 1957 im Gemeinderat um die Namenssuche für das neue Gymnasium ging, schlug die Stadtverwaltung den Namen „Gymnasium Ettlingen“ vor. Stadtrat Giner (Ettlinger Bürgerblock) brachte den Konkurrenzvorschlag „Albtal-Gymnasium“ ein, eine seiner Meinung nach „natürliche und liebliche“ Bezeichnung. Im Vorfeld hatten Heimatfreunde bereits den Namen Caspar Hedio ins Spiel gebracht, einen Ettlinger Humanisten und Reformator(„er verhalf der Reformation in Straßburg als Münsterpfarrer zum Durchbruch und verwendete sich, wie seine Unterschrift unter den ‚Marburger Beschlüssen’ ausweist, energisch für eine Annäherung zwischen Lutheranern und Calvinisten“.
Inzwischen war ein zweites Gymnasium in Ettlingen hinzugekommen, das sich als Gymnasium II (heute Albertus-Magnus-Gymnasium) neben dem bisherigen Gymnasium I (heute Eichendorff-Gymnasium) etabliert hatte. Den Namen „Eichendorff“ hatte Stadtrat Wilhelm Poppe (FWV / FDP) in die Diskussion eingebracht - eine Freude wohl für alle heimatvertriebenen Bürger der Stadt Ettlingen (Eichendorff stammt aus Schlesien). Poppe bezeichnete die Namen für beide Gymnasien als „unpolitisch“. Mit 15 Stimmen gegen 6 Stimmen setzte sich der Name „Eichendorff-Gymnasium“ schließlich gegen den Vorschlag von Stadtrat Glasstetter (SPD), das Gymnasium I „Goethe-Gymnasium“ zu nennen, durch. Zuvor war ein Vorschlag des Stadtrats Haupt (SPD), das Gymnasium I nach dem Nobelpreisträger Heinrich Böll zu benennen, von der CDU-Fraktion abgelehnt worden. Vorschläge, die von den Schulengemacht wurden, fanden keine Berücksichtigung.

Wer aber war nun dieser Joseph Freiherr von Eichendorff– Namensgeber unseres Gymnasiums - ,dessen 150. Todestag fast auf den Tag genau mit dem 50. Jubiläum des Bestehens unserer Schule zusammenfällt? Eichendorff war - unbestritten - einer der bedeutendsten Lyriker und Epiker der deutschen Romantik. Der Vierzeiler „Wünschelrute“ gehört zu den berühmtesten poetologischen Gedichten der Romantik und trug neben anderen Gedichten, die von Schumann vertont wurden (z.B. „Das zerbrochene Ringlein“,„Mondnacht“), sowie der Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ wesentlich zu Eichendorffs Bekanntheit bei. Es wäre allerdings zu kurz gegriffen, würde man diesem Bild nicht weitere Aspekte hinzufügen: Neben ein anspruchsvolles lyrisch und episches Gesamtwerk,„das ein Spiegel ist seines Lebens in seinen Gegensätzen und der ebenso widersprüchlichen Epoche“4 tritt ein „kongeniale[r] Übersetzer anspruchsvoller spanischer Literatur [Calderon, Cervantes] und(...) Verfasser glänzend geschriebener literaturhistorischer und literaturkritischer Essays.“ Politisch wandelt Eichendorff sich „vom reaktionären Anhänger der ‚Heiligen Allianz’ und des Bündnisses von ‚Thron und Altar’ zum satirischen Kritiker sowohl des ‚Säbel’- wie des ‚Pöbelregiments’“, in religiöser Hinsicht „vom kindlich gläubigen Katholiken zu einem ökumenisch orientierten Christen, dessen theologische Überzeugungen seiner Zeit voraus sind;“.
Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff wir dam 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor (Oberschlesien) als zweites von fünf Kindern einerkatholischen Adelsfamilie geboren. Zusammen mit seinem Bruder Wilhelm wird er zunächst von dem katholischen Pfarrer Bernhard Heinke erzogen, besucht ab 1801 drei Jahre das Matthias-Gymnasium in Breslau – wieder zusammen mit dem Bruder.

In Breslau besuchen die beiden oft das Theater, Eichendorffselbst spielt im Schülertheater und wirkt an er Schülerzeitung mit. Im April 1805 immatrikulieren sich die Brüder in Halle für ein Jura-Studium. Als die Universität Halle 1806 durch Napoleon geschlossen wird, begeben sie sich zur Fortsetzung ihrer Studien nach Heidelberg. Hier treffen sie u.a. Achim von Arnim und Clemens Brentano. 1808 führt eine Bildungsreise sie nach Paris und zurück nach Wien. Im Frühjahr 1809 verlobt sich Eichendorff mit der wenig begüterten Louise von Larisch aus Pogrzebin bei Ratibor.Um eine Anstellung im österreichischen Staatsdienst zu finden, beschließen die Brüder, ihre Studien mit der juristischen Staatsprüfung in Wien abzuschließen.
 
Nur Wilhelm gelingt dieser Einstieg in den österreichischen Staatsdienst. Die Wege der Brüder trennen sich hier. Im März 1813 erklärt Friedrich Wilhelm III. Frankreich den Krieg. Joseph v. Eichendorff rückt in das Lützower Freikorps ein, ohne jedoch jemals an Kämpfenteilzunehmen. Im März 1815 wird er beim Oberkriegskommissariat in Berlin als Sekretär eingestellt. Wenig später heiratet er gegen den Willen seiner Eltern Louise von Larisch, mit der er zwischen 1815und 1830 fünf Kinder hat, zwei Jungen und drei Mädchen. Die zwei jüngsten Mädchen sterben ein- bzw.zweijährig.

Kurz nach seiner Hochzeit schließt sich Eichendorff im April 1815 Blüchers Armee in Lüttichan. In der Folgezeit absolviert er sein Referendariat in Breslau (wie üblich ohne Gehalt). Seine weitere Karriere gestaltet sich schwierig, arbeitet er doch als Schlesier, allerdings Katholik, im Dienste seiner Majestät des preußischen Königs, weswegen verschiedene Bewerbungen abschlägig beurteilt werden. Stationen seines beruflichen Werdegang sind:
1819 Assessor bei der Königlichen Regierung in Breslau (ohne Gehalt), 1820 kommissarisch: katholischer Kirchen- und Schulrat in Danzig,1821 Regierungsrat für die Bearbeitung der katholischen geistlichen und Schulangelegenheiten beim Oberpräsidium und bei der Kirchen- und Schulkommission in Danzig (mit Gehalt),immer wieder Arbeitsaufenthalte in Berlin, 1824 Umzug nach Königsberg, ab 1831 beamteter ministerieller„Hilfsarbeiter“ an verschiedenen Ministerien (Kultusministerium, Außenministerium) in Berlin , 1841 Ernennung zum Geheimen Regierungsrat mit dem Auftrag, u.a. Zensurangelegenheiten zu bearbeiten für die dafür zuständigen Ministerien des Kultus, des Inneren und des Auswärtigen.
Nach einer schweren Lungenentzündung und mehreren Gesuchen um Entlassung aus dem Staatsdienstwegen zerrütteten Gesundheitszustands wird Eichendorff im Juli 1844 pensioniert. Fortan kann er sich ganz seiner literarischen Tätigkeit widmen, welcher er zuvor neben seiner beruflichen Tätigkeit nachgegangen war. Nach dem Tod des Vaters (1818), der die elterlichen Besitztümer hochverschuldet hinterlassen hatte, werden Schloss und Gut Lubowitz 1823, Radoschau nach dem Tod der Mutter 1824, Slawikau 1831 zwangsversteigert. Eichendorff übernimmt die Wirtschaftsführung des Lehnguts Sedlnitz in Mähren, wo er mit seiner Familie in seinen letzten Lebensjahren immer wieder Sommeraufenthalte verbringt. Der Verlust der elterlichen Besitzungen zwingt Eichendorff zu einem unsteten Wanderleben. Seine Altersversorgung reicht nicht aus, einen standesgemäßen Haushalt zu führen. Daher zieht er mit seiner Frau zu seiner Tochter Therese nach Köthen (Sachsen-Anhalt), dann nach Neisse (Oberschlesien), wo er – zwei Jahre nachseiner Frau - am 26. November 1857 an einer Lungenentzündung stirbt.

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